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05.06.2019 14:14 Alter: 14 days
Kategorie: Herren
Von: Frank Höhmann

Rang zwei außer Reichweite

Dass der SC Geislingen beim SV Bonlanden eine bärenstarke erste Hälfte ohne Tore beendet, rächt sich bitter


Yasin Ceküc und seine Teamkollegen haben in Bonalnden viel zu deutlich verloren. Foto: Sven Grewis

Sie waren frustriert, enttäuscht, wütend. Sauer auf sich, den Gegner, das Schiedsrichtergespann. Kein Wunder: In den 90 Minuten zuvor war den Landesliga-Fußballern des SC Geislingen beim Nachholspiel in Bonlanden schonungslos vor Augen geführt worden, wie bitter und ungerecht Fußball sein kann. 45 Minuten hatten die Geislinger den Tabellenzweiten vor rund 400 Zuschauern hergespielt wie sie wollten. Das Toreschießen hatten sie jedoch wieder einmal versäumt. In der 34. Minute war freilich eine gehörige Portion Pech dabei, als Yannick Ruther aus der Drehung abzog, aber an der Latte scheiterte. In Minute 43 entschied sich Ruther für den linken statt den rechten Fuß. Bei weiteren Abschlüssen des Geislinger Stürmers (23.) und von Abwehrspieler Manuel Heinzmann (33.) landete die Kugel ebenso wenig im Tor wie bei einem Freistoß von Karlo Petricevic, an den Keeper Luca Wiedmann noch die Fingerspitzen brachte (11.).

Selten sei man von einem Gegner im eigenen Stadion so beherrscht worden wie vom SC in der ersten Hälfte, schwante Bonlandens Coach Klaus Kämmerer nichts Gutes. Er konnte nur mit dem Ergebnis zufrieden sein: Nach 45 Minuten stand bei seinem Team immer noch die Null. Geislingens Trainer Markus Schweizer dagegen grämte sich: „Es ist wirklich schade, dass wir uns für so eine gute Leistung einfach nicht belohnen. Wir müssen zur Pause mindestens 2:0 führen, können sogar 3:0 vorne liegen.“

Der SC wollte seine letzte Chance auf den zweiten Tabellenplatz unbedingt nutzen. Von Beginn an präsentierte sich die Mannschaft willensstark, war präsent in den Zweikämpfen und kombinierte sich ein ums andere Mal gefährlich vor das Tor der Gastgeber. Woran es jedoch fehlt: „Der letzten Konsequenz“, sagt Schweizer. Ob Unvermögen oder Pech? „Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem“, sagt der SC-Coach. Es war nicht das erste Mal, dass die Geislinger vor dem Tor Nerven zeigten und ihren Kontrahenten im Spiel ließen.

Zu allem Überfluss kam in der 53. Minute eine unglückliche Entscheidung des Schiedsrichtergespannes hinzu. Diese sollte den SC aus dem Konzept und die Einheimischen auf die Siegerstraße bringen. Karlo Petricevic ging bei einem Zweikampf extra nicht mehr an den Ball und schirmte seinen Gegenspieler ab. Der Linienrichter zeigte richtigerweise Einwurf für den SC an, dann jedoch plötzlich für Bonlanden, das  durch Srdan Savic in Führung ging. Als nach einem rüden Foul von Markus Großhans an Yasin Ceküc (56.) der Bonlandener mit der Gelben Karte bestens davonkam und Ugur Yilmaz einen Geislinger Ballverlust im Mittelfeld mit dem 2:0 bestrafte (65.), war es um die Gegenwehr des SC geschehen. Die von Schweizer nach dem Gegentreffer auf Dreierkette und zwei Stürmer umgestellte Mannschaft fing sich in der 77. Minute durch Yilmaz das 3:0 ein, der sich bei seinem Schuss der Hilfe des Pfostens erfreuen konnte, von welchem der Ball nicht zurück ins Feld, sondern über die Linie sprang. Fünf Minuten später erhöhte Fabio Andretti auf 4:0. „Wenn wir wenigstens so schlecht gespielt hätten wie das Ergebnis vermuten lässt. Aber das war ja nicht der Fall“, blickte Spielleiter Steffen Speidel konsterniert auf die Anzeigetafel.

Wie groß die Motivation ist, jetzt noch gegen Oberensingen und Weilimdorf dagegenzuhalten, wird sich zeigen. Ohne fremde Hilfe können auch sie den SV Bonlanden nicht mehr von Rang zwei verdrängen, der diesen mit einem Sieg gegen Neu-Ulm sicher hätte.      

Frank Höhmann

So spielten sie:

SV Bonlanden: Wiedmann – Liebenstein (79. Imme), Andretti, Ried, Pottmeyer, Schilling, Baradel, Presthofer (84. Häcker), Großhans (64. Adam), Yilmaz, Savic (78. Schwarz)
SC Geislingen: Bahadir – Heinzmann (63. Mädel), Petricevic, Schöll, Bäumel, Grupp, Volk, Orlando (80. Güler), Feldmeier (89. Kepic), Ceküc (89. Strehle), Ruther
Schiedsrichter: Bahri Kurz
Tore: 1:0 Savic (53.), 2:0, 3:0 Yilmaz (65., 77.), 4:0 Andretti (82.)
Zuschauer: 400.