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12.11.2018 23:50 Alter: 28 days
Kategorie: Herren
Von: Frank Höhmann

Es flutscht nicht mehr

Aufsteiger SC Geislingen fehlt auch beim 1:1 gegen Mitaufsteiger SV Bonlanden die Unbeschwertheit des ersten Saisondrittels


Jan-Philipp Klein und die SC-Fußballer blieben auch gegen Bonlanden ohne dreifachen Punktgewinn. Foto: Sven Grewis

Hofherrnweiler marschiert: Die TSG konnte den Vorsprung am zwölften Spieltag weiter ausbauen. Sie gewann 3:0 in Weilheim und profitierte vom 1:4 von N.A.F.I. Stuttgart im Verfolgerduell beim neuen Zweiten Waldstetten. Der SC bleibt weiterhin Dritter. Ihm folgt der punktgleiche Mitaufsteiger aus Oberensingen. Im Tabellenkeller gelangen dem TSV Bad Boll, dem FC Bargau und dem TSV Neu-Ulm wichtige Siege. Der Nachholtermin für die Partie Bargau gegen Neu-Ulm steht unterdessen: Gespielt werden soll am 8. Dezember um 14 Uhr, sofern es Witterung und Platzverhältnisse zulassen.

Nach seinem überragenden ersten Saisondrittel befindet sich Fußball-Landesligist SC Geislingen kurz vor dem Ende der Hinrunde in einem Loch: Weil Leichtigkeit, Lockerheit und Lässigkeit der ersten Spiele verschwunden sind, blieb der SC am Samstag zum vierten Mal in Folge sieglos und musste sich im Heimspiel gegen den SV Bonlanden mit einem 1:1 (1:0) begnügen. Immerhin konnte der SC damit den Mitaufsteiger vorerst auf Distanz halten.

Dass die Gäste ihrerseits zum vierten Mal in Serie ungeschlagen blieben, hatten sie einmal mehr Srdjan Savic zu verdanken. Der Ex-Profi, der vor acht Jahren mit FK Sarajevo zwei Qualifikationsspiele zur Champions League bestritt und in den vergangenen beiden Landesligaspielen fünfmal erfolgreich war, ließ am Samstag vor 250 Zuschauern seinen sechsten Streich folgen. Gegen seinen sehenswerten Schuss aus 25 Metern, der im rechten oberen Toreck einschlug wie ein Strich (62.), war kein Kraut gewachsen. „Das gelingt in der Landesliga nicht jedem“, sagte SC-Trainer Jasko Suvalic. „Da gab es wirklich nichts zu halten“, bestätigte auch Geislingens Kapitän Jan-Philipp Klein, den der „unnötige Ballverlust“ seines Teams in der Vorwärtsbewegung ärgerte, der den Ausgleich begünstigte.

Weil der eigentliche Spielführer Nicola Orlando zunächst auf der Bank Platz nehmen musste, trug Klein gegen Bonlanden die Kapitänsbinde. Nicht die einzige personelle Änderung: Im Tor erhielt Jonas Pangerl den Vorzug vor Murat Bahadir. Von Beginn an stürmen durfte Yannick Ruther. Tobias Müller kehrte nach überstandener Verletzung wieder in die Startformation zurück und stand erstmals zusammen mit Klein auf dem Feld, was der Defensive der Geislinger wieder zu mehr Stabilität verhalf. Die ließ in der ersten Hälfte keine Torchance zu. Aber auch die Gäste rührten Beton an und gewährten den Geislingern nur zwei Einschussmöglichkeiten. Eine davon saß. „Das Führungstor war klasse herausgespielt“, lobte Klein. Pascal Volk erkämpfte sich im Mittelfeld das Leder und schlenzte es nach einem Doppelpass mit Ceküc vorbei an Bonlandens Keeper Luca Wiedmann in die Maschen (36.). Eine Minute zuvor hatte Volk nach tollem Zusammenspiel mit Ceküc noch zu schwach und direkt in die Arme von Wiedmann abgeschlossen.

Nach dem 1:1 habe man sich nicht hängen lassen und versucht, weiter Druck auszuüben. Klein sah „20 richtig gute Minuten“, die zu einem Heimsieg hätten führen können. „Es hat nicht viel gefehlt und wir hätten das Spiel 2:1 gewonnen, was auch in Ordnung gegangen wäre.“ Der SC konnte die Drangphase nicht in Zählbares ummünzen. Was aber nicht wie zuletzt in Hofherrnweiler am eigenen Unvermögen lag. Bei den Torabschlüssen konnte man den Einheimischen diesmal keinen Vorwurf machen. Es lag vielmehr an Gästetorhüter Wiedmann, der zweimal hervorragend parierte: Denn sowohl bei einem Schuss von Uwe Grupp aus der Drehung aufs kurze Eck (70.), als auch bei einem 20-Meter-Freistoß von Karlo Petricevic brachte er noch die Finger an die Kugel.

„Wir müssen nun wieder in kleinen Schritten vorwärtskommen“, fordert Klein. „Das war heute ein erster Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn es nicht zum Sieg gereicht hat, konnten wir den Negativtrend stoppen und haben wenigstens einen Punkt geholt.“

Es flutscht halt nicht mehr so wie zu Beginn. Für Aufsteiger nichts Ungewöhnliches, wenn die Euphorie nachlässt und einen nach den ersten Niederlagen der harte Alltag einholt. Allerdings: Mit ein wenig Glück, fügte Suvalic an, hätte man nach den beiden vergangenen Partien auch vier Punkte mehr auf dem Konto haben können. Denn auch gegen Bonlanden besaß der SC die besseren Torchancen, wenngleich es nur wenige waren. Läuferisch agierten beide Clubs auf einem Level. Beide versuchten auch, schnell umzuschalten. Was die körperliche Robustheit betrifft, lag der Vorteil bei Bonlanden. „Da kommst du nicht so einfach in die Zweikämpfe und gewinnst sie“, sagte Suvalic.

Abteilungsleiter Andreas Strehle attestierte den Geislingern „viel Bewegung“ und eine „ordentliche Partie“. Kleinigkeiten würden derzeit fehlen. Bis zur Winterpause gelte es nun, das Glück ein Stück weit zu erzwingen. Am besten gleich am Sonntag bei N.A.F.I. Stuttgart, einem Team mit ähnlich gestandenen Akteuren wie Bonlanden. Für die Geislinger geht es dann wider das Abrutschen ins Mittelfeld. Mit ihren tollen Auftritten zu Beginn der Spielzeit haben sie eine gute Basis geschaffen, die sie nicht vollends aus der Hand geben wollen. Sie haben gesehen, dass sie mit jeder Mannschaft in der Liga mithalten können, auch wenn sie langsam in die Tabellenregion zurückzufallen drohen, mit denen man vorher absolut zufrieden gewesen wäre. „Man darf nicht vergessen, dass wir erst aufgestiegen sind“, relativiert Klein, der aber weiter Lust auf die vordere Tabellenregion hat. Die beiden jüngsten Auftritte verleihen ihm Zuversicht. Könne man daran anknüpfen, würden sich auch die Tore, sprich Siege, wieder einstellen.    

Frank Höhmann

So spielten sie:

SC Geislingen:
Pangerl – Klein, Schöll, Müller, Bäumel, Grupp, Petricevic (81. Mohammed), Volk (74. Mädel), Sönmez, Ceküc (87. Karahan), Ruther (63. Orlando)
SV Bonlanden: Wiedmann – Liebenstein, Schilling (80. Ried), Häcker, Baradel (69. Großhans), Schwarz (75. Zirfass), Ringger, Pehlivan, Pottmeyer, Yilmaz, Savic (87. Adam)
Schiedsrichter: David Kaiser (SRG Riss)
Tore: 1:0 Volk (36.), 1:1 Savic (62.)
Zuschauer: 250.