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06.03.2017 19:16 Alter: 55 days
Kategorie: Herren
Von: Frank Höhmann

Für drei Punkte wird der Bart geopfert

Nach 3:1-Coup in Bettringen wird Torhüter Murat Bahadir rasiert – Entwarnung bei Ruther: Verletzung nicht so schlimm


Der Jubel war groß nach dem 3:1-Auswärtserfolg bei der SG Bettringen. Foto: Frank Höhmann

Auf dem Weg zum Klassenerhalt „müssen wir auch mal gegen einen der Großen gewinnen“, hatte Abteilungsleiter Andreas Strehle vor Beginn der zweiten Saisonhälfte gefordert. Schon im ersten Spiel nach der Winterpause setzte ein kämpferisch bärenstarker SC das Vorhaben in die Tat um und gewann 3:1 (1:0) bei der SG Bettringen. Man habe sich akribisch auf das Spiel vorbereitet. „Umso toller, dass sich der Aufwand bezahlt gemacht hat“, freute sich Trainer Jasko Suvalic. Dabei lief es zunächst alles andere nach Plan. Bereits nach rund 20 Minuten war Neuzugang Lennart Ruther umgeknickt und musste ausgewechselt werden. Am heutigen Montag gab der 19-Jährige aber Entwarnung. „Die Verletzung ist nicht so schlimm. Ich hoffe, dass ich schon am Samstag wieder dabei sein kann.“ Nach dem Spiel wurde in der Kabine logischerweise groß gefeiert. Und bei Torhüter Murat Bahadir hieß es „Bart ab“. Denn bei einem Sieg hatte er versprochen, sich zu rasieren. Gewinner des Spieltages waren die Sportfreunde Dorfmerkingen, die ihre Führung an der Tabellenspitze nach den Niederlagen von Weilheim und Heiningen ausbauen konnten. Im Tabellenkeller kam der FC Eislingen zu einem ganz wichtigen Sieg gegen den TSGV Waldstetten und reichte die rote Laterne an den TSV Neu-Ulm weiter. Der SV Ebersbach verlor in Nürtingen 1:2 und hat nicht mehr viel Vorsprung auf die Abstiegsplätze.

Frank Höhmann

Als Okan Akcay und Gianluca D’Onofrio bei einer Doppelchance in der 70. Minute das 3:0 und Bettringens endgültigen Knockout verpassten, schlug Andreas Strehle die Hände vors Gesicht und tobte. Der Fußballboss des Landesligisten SC Geislingen wusste, dass es bei einem Anschlusstreffer der SG Bettringen nochmals ganz eng für seine Mannschaft werden könnte. „Hier kannst du in wenigen Minuten ganz schnell zwei oder drei Tore kriegen.“ Und damit einen sicheren Sieg verspielen. Dazu sollte es zwar nicht kommen, aber es wurde dann doch noch einmal richtig eng für den kämpferisch bärenstarken SC. Jannic Maletic traf mit einem herrlichen Diagonalschuss aus dem Halbfeld heraus ins obere Toreck (77.) und kitzelte aus seinem Team die letzten Kraftreserven heraus. Der SC musste bange Minuten überstehen, konnte sich in der 85. Minute aber auf Torhüter Murat Bahadir verlassen, der mit einer Glanzparade das 2:2 verhinderte. In der zweiten Minute der Nachspielzeit machte Rückkehrer Pascal Volk dann den 3:1-Auswärtssieg der Geislinger perfekt.

„Ich bin sehr froh, dass wir gewonnen haben. Wir haben zehn Tage lang so viel investiert und uns für die Partie aufgeopfert“, sagte Trainer Jasko Suvalic, um dann zu ergänzen: „Allerdings ist es ein Sieg mit Wermutstropfen.“ Denn nach bereits 24 Minuten mussten die Geislinger einen Rückschlag wegstecken: Neuzugang Lennart Ruther war umgeknickt und musste ausgewechselt werden. „Wir hoffen, dass keine Bänder gerissen sind“, sagt Strehle. „Das hat uns dann nochmals vor neue Probleme gestellt. Die Abwehr hat so ja noch nie zusammengespielt“, war Suvalic bedient, der kurzfristig auf den kranken Tobias Müller verzichten musste, der in den Testspielen mit Ruther in der Innenverteidigung spielte. Suvalic beorderte Uwe Grupp an die Seite von Dominik Schöll und Nicola Orlando bildete fortan mit Karlo Petricevic die Doppel-Sechs. Am heutigen Montag gab Ruther aber Entwarnung: „Die Verletzung ist nicht so schlimm. Ich hoffe, dass ich am Samstag beim Heimspiel gegen Echterdingen wieder dabei sein kann.“

Nachdem Bettringen in der Anfangsviertelstunde bei einem Freistoß von Lukas Hartmann beinahe in Führung gegangen wäre und der SC in der Folge mit gutem Zweikampfverhalten auf dem engen Kunstrasenplatz in der Partie war, trafen die Geislinger in der 28. Minute aus heiterem Himmel. „Da hat es sich ausgezahlt, dass wir Eckbälle trainiert haben“, sagte Suvalic mit einem Augenzwinkern. Allerdings half Bettringens Torhüter Marco Holbeck kräftig mit, der die von Julius Bäumel auf den ersten Pfosten getretene Kugel beim zweiten Rettungsversuch ins eigene Gehäuse pritschte. Die Gastgeber ließen sich vom Rückstand nicht beeindrucken und drängten auf den Ausgleich. Zweimal jedoch kamen sie bei guten Chancen nicht an Bahadir vorbei (33., 45.), in der Nachspielzeit der ersten Hälfte  verzog Cokkalender um Zentimeter.

Die zweite Hälfte ging genauso dynamisch weiter, wie die erste endete. Während der von Kreilinger wunderbar bediente Cokkalender mit links weit übers Tor schoss, machte es der SC im Gegenangriff besser. Der von Okan Akcay toll bediente Sven Sönmez bestätigte seinen guten Lauf aus der Vorbereitung und erhöhte auf 0:2 (49.). Bis zur 70. Minute hatte der SC das Geschehen vor gut 250 Zuschauern im Griff, dann jedoch ging seine Präsenz verloren und er ließ sich in der eigenen Hälfte festsetzen. Und so musste trotz Überzahl – Arthur Feil hatte in der 79. Minute die Ampelkarte gesehen - um die Big Points gezittert werden, ehe Volk alle erlöste. Klar, dass nach dem Spiel in der Kabine kräftig und lautstark gefeiert wurde. Zudem hieß es bei Bahadir „Bart ab“. Der Schlussmann hatte vor Spielbeginn versprochen, sich bei einem Sieg zu rasieren. Möglich, dass dies seine Teamkameraden zusätzlich motiviert hat.

So spielten sie:

SG Bettringen: Holbeck – Kreilinger, Herkommer (62. Kiesle), Müller, Feil, Hartmann, Weller, Cokkalender (87. Härter), Maletic, Seitz, Herr (57. Rusche)

SC Geislingen: Bahadir - Heinzmann, Ruther (24. Akcay), Schöll, Bäumel, Grupp, Petricevic, D’Onofrio (87. Falzone), Orlando, Sönmez (71. Nguyen), Volk (90.+3. Riedel)
Schiedsrichter: Marc List (SRG Ravensburg)
Tore: 0:1 Holbeck (28./ Eigentor), 0:2 Sönmez (49.), 1:2 Maletic (77.), 1:3 Volk (90.+2.)
Gelb/rot: Feil (79./ Bettringen)
Zuschauer: 250.